Kurzgeschichten

Der Stern in meinem Seelenhimmel

Es lebten vor langer Zeit ein Junge und ein Mädchen. Beide waren glücklich und liebten das Leben. Der Junge traf sich gerne mit seinen Freunden und sie spielten zusammen Fußball. Auch das Mädchen hatte viele Freundinnen. Sie spielten Puppen oder liefen gerne in der Natur umher, um schöne Blumensträuße zu erstellen. Die größten, farbreichsten und hübschesten Blumen wurden gepflückt. Weiße Schneeglöckchen im Frühling, die sich langsam durch den glitzernden, weißen Schnee kämpften und ihre kleinen Köpfchen der langsam wärmenden Sonne entgegenstreckten. Rote Rosen im Sommer. Dicke, rote Sträuße wurden nach Hause gebracht und stolz präsentiert. Obwohl der Junge und das Mädchen glücklich waren, fühlten sie, dass etwas fehlte. Wenn sie vom Spielen jeden Abend wiederkamen, spürten sie eine Lücke. Eine Lücke in ihren Herzen. Beide waren noch so jung um die Lücke deuten zu können und so versuchten sie diese zu verdrängen. Doch als der Junge und das Mädchen heranwuchsen, wurde das fehlende Teil zu einer Belastung. Sport und Blumen waren ihnen nicht mehr genug. Der Junge sagte immer häufiger seine Treffen mit den Freunden ab und wenn er doch hinging, saß er oft am Spielfeldrand und sah zu. Alles machte er halben Herzens. Dem Mädchen erging es nicht anders: Blumen waren zwar immer ihr Leben gewesen, jedoch füllten sie es nicht mehr allein aus. Blatt für Blatt zupfte das Mädchen die Blumen auseinander und bemerkte nicht, wie auch ihr Herz in immer kleinere Stücke zerbrach. So vergingen die Jahre voller Sehnsucht nach dem fehlenden Teil.

Der Junge und das Mädchen saßen häufig am Fenster und blickten in die Leere. Sie beobachteten wie die Sonne morgens langsam hinter den Bäumen emporstieg und abends wieder hinter ihnen verschwand. Am Tag wussten beide kaum mit sich etwas anzufangen und gingen oft spazieren. Abends setzten sie sich an das Fenster und schauten in die Nacht hinaus. Sie sahen den Mond, der im Laufe der Monate immer wieder zunahm, um dann gleich wieder abzunehmen. Es war ein ewiger Kreislauf. Alles wurde von der Musik der Nachtvögel begleitet. Der Junge liebte die Musik der Eule, die in der Tanne gegenüber seines Fensters saß. Das Mädchen mochte die Klänge der Taube lieber, die wach blieb um ebenfalls den Anblick der Nacht zu genießen. Die Stille. Das Schlafen der Stadt. Trotz der Leere in ihren Herzen, die beide in ihrem Leben empfanden, spürten sie, wenn die Sterne oben am Himmel funkelten, Vollkommenheit. Vollkommenheit durch das Funkeln der Sterne, die jeden Abend wieder zu sehen waren. Beide fragten sich, ob irgendjemand diese Schönheit ebenfalls zu würdigen wüsste. Das Glitzern. Das Funkeln. Der Stich mitten ins Herz.

Die Sterne und ihre Kraft trafen den Jungen und das Mädchen. Beide blickten hinauf und verliebten sich. Die Nacht wurde zu der hellsten Zeit des Tages, denn die Liebe nahm die Stelle der Dunkelheit ein. Von jenem Tag an wussten der Junge und das Mädchen, dass sie ihr fehlendes Teil finden würden. Es würde an einem Abend passieren: Die Sterne würden am Himmel stehen und funkeln. Aber nicht so wie immer, sondern aus voller Kraft. Der Junge und das Mädchen würden voreinander stehen, sich in die Augen blicken und die Sterne, die Liebe würde sie treffen. Eine große Explosion, als würden zwei Kometen aufeinanderprallen. Von diesem Zeitpunkt an wären sie unzertrennlich, und wenn doch einmal die Entfernung beide Körper auseinanderhalten würde, wären sie im Herzen weiterhin vereint. Ein kurzer Blick in den Himmel, in die funkelnden Sterne würde reichen, denn sie würden sich direkt in die Augen, in ihre Seele blicken.