Impressionen

Mein Schweigen

Ein kleines Rotkehlchen setzte sich neben mich und wünschte mir einen guten Morgen. Ich streckte zur Begrüßung vorsichtig meine Hand nach ihm aus, da ich das rote Federkleid streicheln wollte. Es zuckte zusammen und flog davon.
Am nächsten Morgen saß eine kleine Taube auf meinem Fensterbrett. Sie war weiß und hatte einige graue Federn am linken Flügel. Na du kleines Täubchen, fragte ich, was hast du heute schon gesehen? Doch die Taube, sie blieb stumm und flog bald darauf von mir fort.
Es vergingen Tage, an denen mich kein Vogel besuchte. Die Natur schien verstummt zu sein. Anfangs war ich traurig, doch mit der Zeit vergaß ich.

Der Nebel hing über den Wäldern, Eisblumen glitzerten an den Ecken meiner Fensterscheibe, als ich das Rotkehlchen auf einem Baum gegenüber von mir entdeckte. Diesmal bewegte ich mich nicht. Es schaute mich an und fing an zu erzählen. In der Ferne sah ich die kleine Taube, die ebenfalls zu berichten begann. Beide zusammen sangen das wohl schönste Lied. Ich wollte ihnen antworten, ihnen näher kommen, doch ich blieb still und genoss. Noch heute bin ich den beiden dankbar, denn sie lehrten mich nicht nur zu lauschen, sondern auch mit der Natur zu schweigen.