Buchrezensionen,  Roman

Unwetter – Marijke Schermer

Emilia ist Mutter zweier Kinder und Ehefrau. Sie lebt glücklich in einem schönen Haus, in der Nähe von Amsterdam, und hat einen großen Garten, an dem ein Fluss grenzt. Die meiste Zeit arbeitet sie von Zuhause. Alles wirkt idyllisch und perfekt, wenn da nicht noch ein Geheimnis wäre, dass sie nach 12 Jahren einzuholen scheint. Ihre Ehe gerät ins Wanken und ihr Zuhause, das frisch renoviert wurde, steht plötzlich einem gehörigen Unwetter gegenüber.

Marijke Schermer verfolgt in Unwetter die Frage, wie standfest und wie viele Lügen eine Beziehung aushält. Kann man mit einem Menschen ein Leben aufbauen, ohne die ganze wahre, bisherige Lebensgeschichte vom Partner zu kennen? Oder stößt der Mensch auf die Grenzen der Akzeptanz, dem Verständnis wodurch der Beziehung zu gegebener Zeit ein Ende gesetzt ist?
Bereits früh bemerkt der Leser, dass in der Protagonistin Emilia eine Lüge, oder viel mehr etwas nicht ausgesprochenes brodelt. Sie versucht ihre Gefühle krankhaft unter Zaum zu halten, und die plötzlichen Berührungsängste zu ihrem Ehemann zu unterdrücken. Doch die Erinnerungen an den einen vergangenen Abend lassen Emilia immer wieder aufschrecken, sodass sie zunehmend zur Flasche und zu Drogen greift. Konform zu Emilias Gefühlen baut sich das Unwetter über der Stadt auf. Tagelang regnet es, sodass der Fluss über das Ufer tritt und mit ihm die Geheimnisse, die aus dem Ehepaar sprudeln. Diese Metapher habe ich als sehr passend und gut gewählt empfunden. Sie ist originell. Im Großen und Ganzen ist der Roman gut geschrieben und ja, er unterhält auch. Schermer lässt die Spannung bis zur letzten Seite steigen. Doch nun kommt mein Aber, das dieses mal sehr kritisch und subjektiv ausfällt (!ACHTUNG, nachfolgend werde ich etwas vom Inhalt vorweg nehmen!):

Wie man wahrscheinlich schon durch die Beschreibung erahnen kann, wurde die Protagonistin in jener Nacht vergewaltigt. Bereits auf den ersten Seiten hoffte ich: Bitte lasse es keine Vergewaltigung sein! Leider wurde meine Befürchtung bestätigt. Ich weiß nicht, ob es an meiner derzeitigen Buchauswahl liegt, oder ob der Buchmarkt übersättigt ist, aber es scheint mir als ob sich jeder Autor nahezu auf dieses eine Thema stürzen würde. Eine Frau hat psychische Probleme? Ganz klar, sie wurde vergewaltigt. Mir ist es mittlerweile zu einfach und vorhersehbar. Es ist so ein wichtiges Thema, das meines Erachtens auch viel Gehör finden sollte, doch ich bin auch mal wieder an anderen psychischen und zwischenmenschlichen Konflikten interessiert. Klingt es zu hart? Darf man es so formulieren? Lange habe ich mit dieser Kritik gehadert, doch ich möchte ehrlich zu euch sein. Mich bedrücken Vergewaltigungen sehr, daher würde ich mir in Zukunft auch mal wieder etwas anderes wünschen. Ohne Unterdrückung und vor allem ohne Gewalt.

Aus den oben beschriebenen Gründen fällt meine Meinung zu dem Roman zwiegespalten aus: Auf der einen Seite hat mir die Konformität gut gefallen, zwischen Emilias Gefühlen und dem Unwetter, aber auf der anderen Seite war es mir einfach wiedermal der gleiche Konflikt, in anderer Ausführung. Schade.

Titel: Unwetter
Autor: Marijke Schermer
Übersetzer: Hanni Ehlers
Verlag: Kampa Verlag
ISBN: 978 3 311 10010 2
Erscheinungsjahr: März 2019
Format: Pappband, 192 Seiten
Preis: 20 €

Erhältlich unter Amazon und Thalia.

Herzlich möchte ich mich beim Kampa Verlag für dieses Rezensionsexemplar bedanken!