Buchrezensionen,  Roman

Und in mir ein Ozean – Dennis Stephan

Als ich ein kleines Mädchen war, hatten wir eine Nachbarin, die war genauso wie Sie: ruhig, verschlossen, abweisend. Aber nicht, weil sie unfreundlich war oder die Menschen hasste, sondern weil sie sich von allem abschirmen musste, was sie umgab. […] Sie war zu sensibel für die Gesellschaft. Darum sah man sie kaum.

S. 59

Zusammen mit seiner alleinerziehenden Mutter wächst Arthur auf Rügen auf. Sie leben zurückgezogen und schätzen die Zeit zu zweit. Arthur ist anders als viele Kinder, sensibler und ruhiger, sodass er in seiner Schulzeit nur einen einzigen Freund kennenlernt, mit dem er seine gesamte Freizeit verbringt. Als die beiden jedoch in die Pubertät kommen, stellt sich ein Mädchen zwischen sie und Arthur lernt zum ersten Mal das Gefühl des Verlustes kennen. Als er dann zu seinem 18. Geburtstag auch von seiner Mutter verlassen wird, ist Arthur komplett auf sich allein gestellt, zieht nach Hamburg, Berlin und Wien und trifft, wie das Schicksal es will, immer Menschen, die ihm helfen möchten.
Eine Geschichte tiefer Sehnsucht nach einem Zuhause und der eigenen Mutter entsteht.

Ich möchte „Und in mir ein Ozean“ gerne in zwei Teile gliedern, wobei der erste Teil die erste Hälfte des Buches darstellt. Hier wird der Leser in eine poetische Welt mitgenommen, in der der Leser, dank der schönen Naturbeschreibungen, träumen kann. Die Mutter-Kind-Beziehung ist schön zu beobachten und das Lesen macht Spaß. Man möchte erfahren, wie die Geschichte weitergeht und wird in eine sanfte, wunderbar zu beobachtende Melancholie gezogen.

Als Arthur nach Hamburg reist, wird die Geschichte in die wohl kontrastreichste Welt, in die Stadt, gedrängt. Alles ist dreckig, grau und einsam. Diese Zeit wird durch Drogen und die Zuneigung zum gleichen Geschlecht geprägt. Auch Hamburg ist für den Leser eine spannende Zeit, doch dann passiert etwas.

In Berlin – hier wird die zweite Hälfte eingeleitet – wird die Geschichte zunehmend skurriler und die Sprache verliert an Poesie. Der Roman verliert hier meines Erachtens an Glanz und an schönen Momenten. Mir sind die Zufälle zu viel, alles wirkt ein bisschen überdreht und mir erscheint alles etwas konfus. Charakterbrüche durchschneiden die Geschichte, und ich musste von Seite zu Seite feststellen wie die Leselust sank.

Leider muss ich daher zu folgendem Fazit kommen: Schön angefangen, aber zur zweiten Hälfte stark nachgelassen. Daher gibt es für diesen Roman keine Empfehlung von mir.

Titel: Und in mir ein Ozean
Autor: Dennis Stephan
Verlag: Querverlag
ISBN: 978 3 89656 281 4
Erscheinungsjahr: September 2019
Format: Taschenbuch, 304 Seiten
Preis: 16 €

Erhältlich unter Thalia.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Dennis Stephan und dem Querverlag bedanken, die mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.