Buchrezensionen,  Lyrik

Schorfheide – Gerhard Falkner

Wie bereits angekündigt, möchte ich mich zukünftig mehr mit Lyrik der Gegenwart befassen, da diese in der Vergangenheit häufig zu kurz kam. Dies hat jedoch zugegebener Maßen auch einen Grund: Gegenwartslyrik, die von Kritikern gelobt wird, treffen bei mir nicht allzu häufig auf Begeisterung. Mir scheinen die Gedichte häufig vor Komplexität zu protzen. Wer die meisten Fremdworte benutzt, hat gewonnen. Ich fühle mich davon schnell gelangweilt, nicht weil ich sie nicht verstehe – ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich jedes verstehe – sondern weil für mich die Sprache so an Glanz verliert. Doch ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen und wage daher immer wieder gerne einen neuen Versuch.
Mit Schorfheide. Gedichte en plein air habe ich mir den neusten Gedichtband von Gerhard Falkner ausgesucht. Hoch gelobt und angepriesen. Ein Dichter, der für die Komplexität der Kunst wirbt, also genau das, was ich der Gegenwartslyrik bedingt vorwerfe. Ich war gespannt!

Falkner begibt sich in seiner Lyrik in die Natur Berlins und beobachtet, betrachtet, hört, reflektiert, aber vor allem verknüpft er auch die heutige Zeit und die Marotten der Gesellschaft mit dem Grünen. Intertextuelle Verweise sind in Mengen zu finden und natürlich dauert es auch nicht lange, bis die ersten Fremdworte vor einem stehen. „Gedichte sind nicht zum Träumen da, sondern zum Aufwachen.“, sagt Falkner selbst. Zum Träumen wird man auch in der Tat als Leser nicht verleitet, denn dafür muss man zu häufig grübeln und den Kopf anstrengen. Des Weiteren greift er gerne auf aktuelle Wortneuschöpfungen zurück: „randommäßig“ und „gegoogelt“ sind Worte, die nicht nur in der heutigen Gesellschaft in aller Munde sind, sondern die auch in Falkners Gedichten zu finden sind. Selbstverständlich sind regelmäßige Versformen in den seltensten Fällen zu finden, denn die Gegenwartslyrik macht es gerne der Avantgarde gleich: Weg mit Form und Ordnung!

Nun stehe ich aber vor der Aufgabe, diesen Band nach meinen Eindrücken zu beurteilen, was mir nicht leichtfällt. Ich kann Falkners Intension nachvollziehen und auch seine Anforderung, Komplexität in der Kunst zu verlangen. Dem stimme ich zu und in diesem Punkt bin ich bei ihm. Bei Literatur jedenfalls. Bei Lyrik möchte ich hingegen träumen. Für mich werden Gedichte immer mit der Schönheit der Sprache verbunden sein. Vergleiche, Metaphern, … Falkner konnte mich leider nicht vom Gegenteil überzeugen. Es gab für meinen Geschmack nicht viele Gedichte, die mich begeistern konnten. Hin und wieder war ein Gedicht gut, doch im nächsten Moment war da wieder ein anderes, das mir einfach nicht zusagte. Doch ich werde weiterhin nach Gegenwartslyrik Ausschau halten, denn vielleicht werde ich irgendwann auch in lobenden Tönen von ihr sprechen können.

Titel: Schorfheide. Gedichte en plein air
Autor: Gerhard Falkner
Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978 3 8270 1368 2
Erscheinungsjahr: Mai 2019
Format: Hardcover mit Schutzumschlag, 128 Seiten
Preis: 22 €

Erhältlich unter Amazon und Thalia.

Ich möchte mich herzlich beim Berlin Verlag und beim Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar bedanken. Es konnte mich zwar leider nicht in Gänze überzeugen, nichts desto trotz, vielen lieben Dank!