Buchrezensionen

Qualityland – Marc-Uwe Kling

Wenn man eine Buchhandlung betritt, gibt es an „Qualityland“ kein Vorbeikommen. Schwarz und gold liegt es seit 2017 in den Regalen. Schlicht und doch auffällig. Es zieht die Aufmerksamkeit auf sich und winkt einem gewissermaßen zu. Lies mich. Lies mich, flüstert es leise. Irgendwann gab ich nach, kaufte es und lernte Qualityland kennen. Nun habe ich sehr gespaltene Gefühle, die ich versuche für euch zu sortieren.

„Qualityland“ erzählt die Geschichte unserer möglichen Zukunft. Eine Welt, die gesteuert wird von Künstlicher Intelligenz und Algorithmen. Der Mensch muss nicht mehr denken und auch nicht fühlen, denn TheShop weiß vor ihm, was seine Bedürfnisse sind. QualitiyPartner empfiehlt ihm, wer der richtige Partner ist und wann der alte wieder ausgetauscht werden sollte. Drohnen und Roboter haben Gefühle und stehen dem Menschen zur Hilfe bereit. Der Mensch kann sorgenfrei leben, er muss nur nett lächeln und „OK“ sagen. Alles wäre so praktisch und perfekt, wenn es da nicht einen Menschen gäbe, der das System infrage stellt und sich gegen die Algorithmen zur Wehr setzt.

Marc-Uwe Kling hat mit „Qualityland“ eine Dystopie geschrieben, die nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern außerdem unglaublich unterhält und zum Lachen komisch ist – am Anfang jedenfalls. Auf den ersten Seiten begeisterte mich die Ironie, die sich hinter jedem Satz verbirgt. Gesellschaftskritik vom Feinsten. Besonders die Werbetexte mit den anschließenden Kommentaren bringen überaus viel Freude. Auf der einen Seite unterbrechen sie den Fluss der Geschichte, sodass man längere Zeit braucht, um zu erahnen in welche Richtung die Handlung gelenkt wird, doch auf der anderen Seite spornt genau das an weiterzulesen. Man fühlt sich als Leser mitgenommen und grandios unterhalten.

Doch dann setzt ein Cut ein: Man liest weiter und taucht in die Geschichte von Peter Arbeitsloser. Von Seite zu Seite wird die Handlung vorhersehbarer, jedoch störte mich am meisten, dass bei mir irgendwann der Punkt einsetze, an dem ich das Buch albern fand. Des Weiteren wird die Geschichte künstlich in die Länge gezogen, sodass ich ab der Mitte nur noch gelangweilt las. Ich wünschte mir mehr von dem guten Anfang. Mehr Werbung, mehr Zeitungsartikel, mehr Ironie und noch mehr Gesellschaftskritik. Vielleicht sogar weitere Protagonisten.

Bei diesen Worten könnte man nun meinen, dass mein Fazit eher schlecht ausfallen würde, jedoch tut es das nicht. Die erste Hälfte hatte in mir solch eine Euphorie ausgelöst, sodass ich es sogar schon mehrfach empfahl und verschenkte – komischer Weise hauptsächlich an technikaffine Männer, die alle durchweg begeistert waren. Manchmal zitiere ich sogar aus dem Buch, da es bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Genau dieses ambivalente Verhältnis, das ich zu diesem Buch habe, lässt mich etwas ratlos zurück, sodass ich zu keinem endgültigen Fazit kommen kann. Vielleicht werde ich es irgendwann nochmal lesen und schauen, ob ich dann zu einem Ergebnis kommen werde.

Titel: Qualityland
Autor: Marc-Uwe Kling
Verlag: Ullstein Buchverlage
ISBN: 978 3 55005 015 2
Erscheinungsjahr: September 2017
Format: Hardcover, 384 Seiten
Preis: 18 €
Website zum Buch: qualityland.de

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