Buchrezensionen,  Roman

In der Nacht hör’ ich die Sterne – Paola Peretti

Bestimmt wurde jedem schon einmal diese Frage von einer anderen Person gestellt: Was ist dir wichtiger, das Hören oder das Sehen? Worauf könntest du am ehesten verzichten? Rein hypothetisch natürlich. Eine sehr schwierige Frage, wie ich finde. Man liebt sowohl seine Ohren als auch seine Augen, daher möchte man beides nicht missen müssen. Was passiert aber, wenn aus einer Hypothese, Fakten werden und einem die Fähigkeit eines Sinnesorgans genommen wird?

Im Roman „In der Nacht hör’ ich die Sterne“ ist Fakt, dass die Ich-Erzählerin Mafalda in weniger als einem halben Jahr nichts mehr sehen kann. Sie leidet unter Morbus Stargardt – eine Krankheit der Augen, die mit einem Nebel, der sich langsam über die Augen legt, zu vergleichen ist. Die Krankheit nimmt nach und nach das Licht und lässt in diesem Buch die junge Protagonistin Mafalda erblinden. Sie ist gerade mal neun Jahre alt, als sie von ihrem Schicksal erfährt. Traurig und doch sehr stoisch plant sie ihren Umzug in einen Kirschbaum, in dem sie ihren einzigen sicheren Zufluchtsort sieht. Auf ihm möchte sie ihr restliches Leben verbringen.

Als ich den Klappentext las, war ich gerührt. Allein die Vorstellung, dieses Bild, das Paola Peretti kreiert, ist unglaublich rührend und gefühlvoll. Daher musste ich es unbedingt lesen. Leider, und ich finde es wirklich sehr schade, ist das Buch nicht authentisch geschrieben. Die Gedanken der Protagonistin sind nicht die eines Kindes, sondern vielmehr die einer erwachsenen Person. Nichts desto trotz lässt es sich gut lesen und berührt einen. Zwar leider nicht wegen der Sprache, sondern nur wegen der Geschichte. Es ist traurig zu sehen, wie ein kleines Mädchen sich von ihrem Augenlicht verabschieden muss. Wie sie noch in den letzten Wochen erfahren muss, wer die wahren Freunde sind und wer nicht. Die Liebe zu ihrem Kirschbaum ist besonders herzerwärmend zu beobachten, da man hier an einziger Stelle erahnen könnte, dass es sich bei der Protagonistin um ein Kind handelt.

Eine Leseempfehlung kann ich leider nicht für diesen Roman aussprechen, denn dafür ist mir dieses Buch tatsächlich zu unauthentisch geschrieben. Wirklich schade, da die Geschichte doch so viel mehr versprach.

Titel: In der Nacht hör’ ich die Sterne
Autor: Paola Peretti
Übersetzer: Christiane Burkhardt
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
ISBN: 978 3 423 28967 2
Erscheinungsjahr: Oktober 2018
Format: Hardcover mit Schutzumschlag, 224 Seiten
Preis: 18 €

Erhältlich unter Amazon und Thalia.

Herzlich möchte ich mich beim dtv Verlag bedanken, der mir diesen Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank!