Buchrezensionen,  Roman

Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

Manchmal sieht man Bücher und schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit, da das Cover nicht ansprechend ist. So erging es mir mit diesem, jedoch beeindruckten mich die Rezensionen und Kritiken zu diesem Roman, sodass ich es doch lesen wollte. Ich tauchte in die Welt fünf Männer ein, die eine enge Freundschaft verbindet.

Yanagihara stellt fünf parallel verlaufende Leben dar, die sich immer wieder kreuzen. Der Leser merkt jedoch schnell, dass vor allem der Anwalt Jude den Mittelpunkt der Geschichte darstellt. Der Leser blickt immer wieder in Judes Vergangenheit, die ihn nicht nur körperlich schädigt – er ist zunehmend an einen Rollstuhl gebunden – sondern auch psychisch krank werden lässt. Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen, fällt ihm schwer. Seine vier Freunde und seine Adoptiveltern bemerken die immer häufiger auftretenden Schmerzanfälle und die neuen Narben an seinen Armen. Direkt kommuniziert wird es jedoch nicht. Alles wird lediglich in Gedanken festgestellt und so kann es passieren, dass aller Leben außer Kontrolle gerät.

Mir fällt es schwer für diesen Roman eine Leseempfehlung auszusprechen. Auf der einen Seite möchte man als Leser erfahren, was Judes Komplexe auslösten. Doch auf der anderen Seite möchte man wegen des Schocks das Buch sofort schließen. 

Yanagihara kreiert eine Geschichte, die in sich stimmig ist, dennoch konnte sie mich nicht durchgehend fesseln. Sie spannt den Leser auf die Folter und wirft ihm lediglich kleine Häppchen hin. Trotz vieler Seiten besteht ein ambivalentes Verhältnis zu den Charakteren: Man kennt sie und doch sind sie einem fremd. Man liest viel und doch kann man den Inhalt in wenigen Worten zusammenfassen. Yanagihara schreibt ansprechend und doch möchte man Seiten überspringen.

Daher möchte ich mein Fazit so halten: Wer bereit ist zu leiden, schockiert zu sein und die düstere Seite des Lebens kennenzulernen, wer Ein wenig Leben lesen, aber viel Zeit des eigenen Lebens hergeben möchte, sollte einen Blick in diesen Roman riskieren. Für meinen Teil war die Geschichte gut, jedoch hält sich die Autorin an zu vielen Banalitäten auf. Letztendlich sehe ich Judes Geschichte, doch nicht die, der fünf Freunde.

Titel: Ein wenig Leben
Autor: Hanya Yanagihara
Übersetzer: Stephan Kleiner
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978 3 492 30870 0
Erscheinungsjahr: September 2018
Format: Taschenbuch, 960 Seiten
Preis: 16 €

Erhältlich unter Amazon und Thalia.

Ganz herzlich möchte ich mich bei Piper Verlag bedanken, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Dankeschön!