Buchrezensionen

Der Spaziergang – Robert Walser

Der Spaziergang von Robert Walser – im Jahre 1917 erstmals veröffentlicht – handelt in keinster Weise von Weihnachten und Winter.

Der männliche Protagonist, der ein erfolgsloser Schriftsteller ist, begibt sich an einem Vormittag glücklich und voller Enthusiasmus aus seiner Wohnung um spazieren zu gehen. Bis zum späteren Abend begegnet er Menschen und Tieren, spricht mit ihnen und genießt vor allem die frische Luft und die Natur im Sommer. Er lässt sich durch die Dinge, die er sieht, inspirieren und handelt spontan. Ganz zu Beginn sieht er einen Buchladen und betritt ihn. Nicht, weil er es vorgehabt hatte, sondern einfach, weil er da ist. Komplimente, aber auch Verachtung werden an wild fremde Menschen ausgesprochen, denn er kommuniziert alles was er sieht und denkt.

„Darf ich […] das Gediegenste und Ernsthafteste und damit selbstverständlich zugleich auch das Meistgelesene und am raschesten Anerkannte und Gekaufte kennen- und augenblicklich schätzenlernen?“ – es handelt sich hier um ein Buch.

Viele solcher Sätze lassen den Leser schmunzeln und den Spaziergang zu einem wahren Spaß werden. Gerade wegen dieser gediegenen Sprache ist mir Walser sehr sympathisch geworden – wahrscheinlich auch, als ich las, dass er eine große Leidenschaft zu Texten von Hermann Hesse hegte.

Trotz der sommerlichen Kulisse und des anfänglichen Frohmutes des Protagonisten, liegt permanent ein Hauch Melancholie in der Luft. Denn so glücklich wie der Protagonist vorgibt zu sein, ist er nicht. Daher passt nicht nur das ausgewählte Cover des Buches in den Winter, sondern auch die Geschichte.

Wer Spaß an schöner Ausdruckskraft und ein Liebhaber der Ironie ist, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

Titel: Der Spaziergang
Autor: Robert Walser
Verlag: Insel-Bücherei
ISBN: 978 3 458 19449 1
Erscheinungsjahr: März 2018
Format: Hardcover, 224 Seiten
Preis: 14 €

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