Buchrezensionen,  Roman

Blinde Liebe – William Boyd

Der Schotte Brodie Moncur ist einer der besten Klavierstimmer seiner Zeit und wird daher von seinem Chef befördert die Channon Filiale in Paris stellvertretend zu führen. Er willigt ein und begibt sich auf das Abenteuer seines Lebens: Weit weg von der Familie und so näher an der fernen, weiten, spannenden Welt, denkt Brodie. Im Zuge seiner Arbeit lernt er John Kilbarron kennen, der als der „irische Liszt“ gefeiert wird. In seine betörende russische Freundin Lika Blum verliebt sich Brodie augenblicklich. Das es sich bei dieser Liebe um eine gefährliche handelt, wird beiden schnell bewusst, da nicht nur John stetig ein ruhendes Auge auf Lika geworfen hat, sondern auch sein Bruder Malachi, der überall zu sein scheint. Was folgt ist eine Liebe voller Angst, vielen Reisen quer durch die Welt und der unbändigen Sehnsucht nach sicherer Zweisamkeit.

Auf 512 Seiten führt William Boyd, in Blinde Liebe, den Leser in eine Welt voller Musik, Noten und Klaviere. Man wird in das Handwerk eines Klavierstimmers eingeführt, in die Tipps und Tricks, die Brodie zu dem Besten seines Fachs werden lässt. Für Pianisten, beziehungsweise Leser mit Klaviererfahrungen, bringt es viel Freude tiefer in die Materie des Stimmens einblicken zu können – ich kann mir durchaus vorstellen, dass es für unerfahrene eher zu langatmig und spezifisch geschrieben ist.

Die Liebesgeschichte zwischen Brodie und Lika finde ich leider sehr durchwachsen, was ich schade finde, da der Anfang mir sehr gefallen und viel auf den weiteren Verlauf der Geschichte versprochen hat. Szenen scheinen sich zu wiederholen – das ewige Auskurieren seiner Tuberkulose erscheint mir in dieser Häufigkeit nicht von Belang zu sein. Boyd hätte die Antagonisten mehr inkludieren sollen, denn so wäre gerade zum Ende hin mehr Spannung entstanden, denn leider war gerade dieses vorhersehbar. Besonders in den letzten Kapiteln nimmt die Geschichte an Qualität ab, sie wird sogar etwas ermüdend. Sehr, sehr schade.

Der Anfang ist spitze. Ab der Mitte lässt die Qualität langsam nach und am Ende finde ich vieles sehr banal. Wie soll ich also nun mein Fazit halten? Ein Roman, der viel Potential gehabt hätte, wären Boyd nur nicht am Ende die Ideen ausgegangen.

Titel: Blinde Liebe
Autor: William Boyd
Übersetzer: Ulrike Thiesmeyer
Verlag: Kampa Verlag
ISBN: 978 3 311 10004 1
Erscheinungsjahr: März 2019
Format: Hardcover mit Schutzumschlag, 512 Seiten
Preis: 24 €

Erhältlich unter Amazon und Thalia.

Ich möchte mich beim Kampa Verlag ganz herzlich für dieses Rezensionsexemplar bedanken. Leider konnte mich der Roman nicht in Gänze überzeugen. Nichts desto trotz, vielen Dank!